Vor 100 Jahren, am 30. März 1925 starb Rudolf Steiner in Dornach, Schweiz.
Rudolf Steiner und der Weinbau – auf den ersten Blick klingt das ungewöhnlich. Obwohl Steiner selbst kein Winzer war, legte er 1924 mit seinem „Landwirtschaftlichen Kurs“ die theoretischen und spirituellen Grundlagen für diese heute weltweit verbreitete Anbaumethode.
Viele moderne Winzer arbeiten heute nach Prinzipien, die auf die Ideen Rudolf Steiners zurückgehen. Der biodynamische Weinbau erlebt weltweit einen Boom – und das nicht ohne Grund.
Wer war Rudolf Steiner?

Rudolf Steiner (1861–1925) war Philosoph, Reformpädagoge und Begründer der Anthroposophie. Bekannt ist er vor allem für die Waldorfpädagogik – doch auch die Landwirtschaft hat er nachhaltig geprägt.
1924 hielt Steiner eine Vortragsreihe, die den Grundstein für die biodynamische Landwirtschaft legte. Sein Ziel: weg von Chemie und Massenproduktion, hin zu einem natürlichen, lebendigen Umgang mit Boden und Pflanzen.
Biodynamischer Weinbau – was steckt dahinter?
Im Zentrum von Steiners Ansatz steht die Idee, dass ein Weingut ein lebendiger Organismus ist. Boden, Rebe, Mensch und Umwelt gehören zusammen. Statt die Natur zu kontrollieren, soll sie unterstützt werden.
Typische Merkmale des biodynamischen Weinbaus sind:
- Verzicht auf chemisch-synthetische Dünger und Pestizide
- Stärkung des Bodenlebens
- Förderung der natürlichen Widerstandskraft der Reben
- Arbeit im Einklang mit Mond- und Naturzyklen
Gerade im Weinbau spielt der Boden – das berühmte Terroir – eine entscheidende Rolle. Genau hier setzt Rudolf Steiner an.
Rudolf Steiner und der Weinbau in der Praxis
Auch wenn Steiner nie speziell über Reben sprach, lassen sich seine Ideen hervorragend auf den Weinbau übertragen. Biodynamische Winzer setzen auf langfristige Qualität statt kurzfristige Erträge.
1. Biodynamische Präparate
Bekannt sind Präparate wie Hornmist (500) oder Hornkiesel (501). Sie sollen das Bodenleben aktivieren, die Wurzeln stärken und die Reben widerstandsfähiger machen.
2. Arbeiten nach dem Mondkalender
Viele Winzer orientieren sich bei Pflege, Schnitt und Lese an Mondphasen und kosmischen Rhythmen. Ziel ist es, natürliche Wachstumsprozesse optimal zu nutzen.
3. Mehr Biodiversität im Weinberg
Begrünte Rebzeilen, Kräuter, Insekten und Mikroorganismen sorgen für ein stabiles Ökosystem. Das Ergebnis: gesündere Reben und weniger Krankheitsdruck.

Warum biodynamische Weine so gefragt sind
Immer mehr Spitzenweingüter arbeiten heute nach biodynamischen Richtlinien, oft zertifiziert durch Demeter. Viele Winzer berichten von:
- lebendigeren Böden
- tiefer wurzelnden Reben
- ausdrucksstärkeren, authentischen Weinen
- klarer Herkunft im Glas

Für viele Weinliebhaber steht biodynamischer Wein für Handwerk, Nachhaltigkeit und Charakter.
Kritik an Rudolf Steiner und dem biodynamischen Weinbau
Nicht alle Aspekte der biodynamischen Landwirtschaft sind wissenschaftlich belegt. Vor allem der kosmische Hintergrund sorgt immer wieder für Diskussionen. Doch unabhängig davon zeigen viele Betriebe, dass der Verzicht auf Chemie und der Fokus auf Bodenpflege messbare Erfolge bringen.
Viele Winzer sehen Rudolf Steiner daher nicht als Dogma, sondern als Quelle der Inspiration.
Fazit: Rudolf Steiners Einfluss auf den modernen Weinbau
Rudolf Steiner hat den Weinbau nicht neu erfunden – aber neu gedacht. Seine Ideen haben den Grundstein für einen respektvollen, nachhaltigen Umgang mit der Natur gelegt.
In Zeiten von Klimawandel, Bodenerschöpfung und wachsendem Umweltbewusstsein ist biodynamischer Weinbau aktueller denn je. Und für viele Genießer gilt: Man schmeckt den Unterschied 🍷🍇
